Tenuta Agraria La Pieve, was für ein klangvoller Name. Landgut, kleine Dorfkirche, gelegen in der Toskana. Malerisch? Nein, eher praktisch und gut erreichbar an der Landstrasse von Ambra Richtung Arrezzo gelegen befindet sich das Geschäft der Tenuta La Pieve. Ein kleiner, gemütlich wirkender Verkaufsraum läßt Platz, um sich in Ruhe über das Angebot zu informieren.
Beim ersten Besuch vor einigen Jahren, eher durch Zufall und Neugier darauf aufmerksam geworden, vereinbarten wir hier unsere erste Weinprobe. Sergio, der Besitzer, lud uns ein paar Tage später zu einem Tasting ein. Pünktlich, wie wir nun einmal sind, waren wir an Ort und Stelle. Acht Erwachsene und acht Kids. Nach der herzlichen Begrüßung erfuhren wir, dass die Weinprobe im Dorf an anderer Stelle stattfinden würde. Also wieder in die Autos und Sergio hinter her gefahren.
Unser kleiner Konvoi schlängelte sich auf schmalen Strassen durch das Dorf hinauf zu einem, auf einem Hügel gelegenen und von einer hohen Mauer umringten Landsitz. Die Zufahrt zum Landsitz durch das Portal auf das Grundstück über von Pinien umsäumten Serpentinen ließ uns schon den Atem stocken. Vor dem herrschaftlichen Haus angelangt, schauten wir uns verdutzt um und fragten uns verwundert: hier??? Sergio klärte uns auf, dass seine Vorfahren Freunde der Medici waren. Ende des 17. Jahrhunderts bekamen sie dieses Kleinod der Medici übertragen.
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nzwischen wird im ehemaligen Pferdestall Wein gelagert, benachbarten Wirtschaftsräumen Vin-Santo in Ruhe gelassen und Wein verkostet. Man kann es auch mieten, um zu feiern. Wenn ich mir das leisten kann, lasse ich es Euch alle wissen und lade Euch ein!
Im großzügig angelegten Foyer wartete bereits Sergios Frau hinter einem kleinen Buffet toskanischer Köstlichkeiten auf uns. Salame Finocchiona, Oliven, Prosciutto, selbstgebackenes Brot, Olivenöl. Es kann losgehen. Verkostet wurde eine herrliche Cuvvee aus Trebbiano, Malvasia e Chardonnay namens Zefiro, ein Chianti Classico, einen Vino Rosso Toscano, sowie einen Rosé und ein Vin Santo. Beeindruckend wie der Landsitz. So beeindruckend, dass ein Freund befand, er sei eigentlich kein Weintrinker, aber dennoch nahezu eine Flasche allein trank. Oder waren es Zwei? Der Rosso Toscano Il Bottaio ist mein Favorit. Tiefdunkel, samtig, nicht so kantig,erdig wie ein Chianti…. Zum Vin Santo wurden natürlich selbstgebackene Cantuchine gereicht. Zum verlieben.
Im Anschluss an die überaus gesellige, ansprechende Weinprobe unterhielt uns Sergio mit Plaudereien über Weinanbau und Herstellung, über Land und Leute. Wir liessen die Seele baumeln und den Blick über die Landschaft von herrschaftlichen Hügel schweifen.
Wenn ich das so schreibe, bekomme ich Fernweh. Ich will wieder dahin! je früher, desto besser. Zum Abschluss des Urlaubs kauften wir im kleinen Geschäft an der Strasse soviel Wein, wie noch ins Auto passte. Im Laufe des folgenden Jahres stellte sich heraus, es war zu wenig. So ist es inzwischen Tradition hier Wein zu kaufen, mit nach Hause zu nehmen und an die schöne Zeit zu denken. Und, überaus wichtig, sich auf den nächsten Besuch zu freuen.